top of page

Zwei Monde, ein Blick: Jacques Gabriels „Porträt, ca. 1980–1985“

Jacques Gabriel malt ein Gesicht wie die Erinnerung – nie ganz einheitlich, nie vollendet, immer schimmernd am Rande eines Traums. In „Porträt, ca. 1980–1985“ tritt eine Frau aus einer stillen, blauen Stille hervor, als sei sie von einem Gesang herbeigerufen worden: halb Tageslicht, halb Dämmerung, zusammengehalten von Anmut, Geheimnis und einem Blick, der älter wirkt als der Rahmen, der ihn umschließt.

Das Porträt der geteilten Sonne

Im Zentrum steht eine Frau, deren Gesicht wie eine stille Sonnenfinsternis geteilt ist – die eine Hälfte in warmem Goldocker, die andere in sattem, erdigem Rot. Die Trennlinie ist klar, bewusst, fast zeremoniell, als zeige uns Gabriel nicht einen Menschen, sondern ein Gleichgewicht: Öffentlichkeit und Privatheit, Zärtlichkeit und Stärke, Körper und Geist.

Ihre Augen sind weit und ruhig, von einer selbstbewussten Hand umrandet. Sie flehen nicht, sie spielen keine Rolle – sie bezeugen . Ihre weichen, vollen, roten Lippen spiegeln die Stille einer Person wider, die in Gedanken versunken ist, mitten im Gebet, mitten in einer Erzählung. Dunkles Haar fällt in langen, schlichten Strähnen und verankert sie in der menschlichen Welt, obwohl die Symbole um sie herum etwas Kosmisches andeuten.

Über ihr krönt eine große Schleife ihr Haupt wie ein festlicher Kamm – purpurrot und samtig dunkel, mit Bedacht gebunden. Farbbänder schmiegen sich darum wie Bänder in Bewegung und vermitteln den Eindruck einer in vollkommener Stille erstarrten Feier. Ein heller Kragen, verziert mit zarten, spitzenartigen Mustern, verleiht ihrem Outfit eine formelle, fast königliche Note, als ob sie sich nicht aus modischen Gründen, sondern aus Bedeutung gekleidet hätte.

Hinter ihr schweben zwei runde Gestalten wie Wächter. Die eine ist unverkennbar mondähnlich – eine blasse Scheibe mit einem sanften Heiligenschein – und in ihr leuchtet eine kleinere Kugel schwach, wie eine ferne Sonne oder eine erinnerte Laterne. Auf der anderen Seite erscheint das große Profil eines Gesichts in blassem Creme und gedämpftem Grün, abgewandt in stiller Kontemplation. Es wirkt wie ein Echo des Selbst oder eine Ahnenpräsenz – etwas, das aus der Vergangenheit oder vielleicht der Traumwelt zuschaut, während die zentrale Gestalt direkt in die Gegenwart blickt.

Die gesamte Szene schwebt auf einem kühlen blauen Feld – klar, weitläufig und ruhig – wodurch die Rot-, Gold- und Weißtöne noch leuchtender wirken, wie Buntglas vor dem Himmel.

Teilen Sie Ihre Vision

Als Sie sich dieses Porträt vorgestellt haben…

  • Was haben Sie sich zuerst vorgestellt – das gespaltene Gesicht, den Bogen oder die Monde hinter ihr?

  • Welche Bilder oder Gefühle tauchten auf, als Sie vor ihr „standen“?

  • Hat es Sie an einen Traum, eine Erinnerung oder eine Geschichte erinnert, die Sie nicht vollständig erklären können?

Wenn Sie möchten, teilen Sie Ihre Interpretation in den Kommentaren mit – dies ist die Art von Gemälde, die sich je nach Betrachter verändert.

Nun… überzeugen Sie sich selbst

Dies ist nur einer der vielen visuellen Schätze der Haiti Collection Privée . Erkunden Sie die Galerie und erleben Sie die Tiefe, den Geist und die poetische Kraft der haitianischen Kunst.

 
 
 

Kommentare


bottom of page